Metamorphus

Nussknacker

Vor der Kirche hatte man sie aufgestapelt, zusammengepfercht auf einer umzäunten Wiese. Die Zweige geknickt, die Nadeln spröde und gelblich verfärbt, lagen Sie zu Füßen einer einsamen Birke, die sich in den grauen Winterhimmel emporhob.

Noch vor kurzem waren sie der Mittelpunkt geschmückter Häuser gewesen. Stolz hatten sie Kerzen getragen, die weihnachtlichen Glanz ausstrahlten, hatten bunt eingewickelte Kinderträume unter ihre Fittiche genommen und zusammen mit Lebkuchen und Mandarinenschalen den Duft wohliger Geborgenheit verbreitet. Sie hatten den Klängen verstimmter Klaviere und schief gespielter Blockflöten gelauscht, alten Schallplatten und in Glöckchengebimmel gehülltem Pop. Sie waren dabei gewesen, als sich Familien dankbar umarmten, lachten, feierten und verträumt die mit glitzernden Kugeln und Engelchen behängten Bäume betrachteten.

Von der Wärme war nichts mehr zu spüren. Die Tannen, die so selbstverständlich zum Fest dazugehört hatten, lagen verlassen in der Kälte. Der Anblick zerbrach Mary beinahe das Herz. Sie wollte sich schon abwenden, da erblickte sie an der Spitze eines Weihnachtsbaumes einen hölzernen Nussknacker. Der vergessene Baumschmuck sah müde aus, wie ein Kämpfer einer verlorenen Schlacht, mit seinen grimmig zusammengebissenen Zähnen und dem zerzausten Haar. Sie streckte die Hand aus und zog das rote Band mit dem er aufgehängt war vom Zweig. Sie nahm ihn mit nachhause, hinauf auf den Dachboden und legte ihn behutsam auf Lametta gebettet in eine Kiste mit Weihnachtsschmuck. Seine Zeit sollte noch nicht vorbei sein.

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