September
Der Ritter hielt unermüdlich fest am beschwerlichen Aufstieg. Seine schillernde Rüstung glänzte wie ein Smaragd im Licht der sinkenden Sonne. Sie war sein ganzer Stolz und er hatte immer geglaubt, sie könne ihn vor allen Gefahren beschützen. Sein Leben lang hatte er auf sie Acht gegeben, und doch hatte sie Flecken und tiefe Risse bekommen. Die Scharniere konnten ein paar Tropfen Öl vertragen, dachte er, während er mühsam ein Bein vors andere setzte. Eine Kälte kroch ihm in die Glieder und er wusste, dass nicht nur der Sommer bald zu Ende gehen würde.
Er hielt einen Moment inne und dachte in einem Anflug von Sentimentalität, wie er einen mit fortgeschrittenem Alter zu ereilen pflegt, an glücklichere Tage zurück, an denen er süßen Nektar getrunken und Damen mit seinem schillernden Panzer imponiert hatte. Noch fantastischer wahren freilich die Erzählungen vom goldenen Zeitalter der Ritter, als sie in Scharen auf Beutezug gegangen waren, mit blank polierten Rüstungen glitzernde Akzente auf Sträuchern und Bäumen setzend, im festen Glauben, ihnen gehöre die Welt. Doch das war lange her. Nun waren sie aus der Zeit gefallen, einsame Krieger, einen Kampf kämpfend, der bereits verloren war.
Sein Blick wanderte traurig über den still daliegenden, septemberlichen Garten. Dann kletterte er beharrlich den dornigen Ast weiter empor - der letzten, verbliebenen Blüte entgegen, die wie ein rubinroter Schatz hoch über ihm glühte.
